Time-to-Fill in der Zeitarbeit: Wie Sie die Besetzungsdauer messen und senken

30. Juli 2026
Time-to-Fill in der Zeitarbeit: Stoppuhr, Prozesskette aus Anfrage, Kandidaten und Vertrag sowie fallendes Balkendiagramm

Time-to-Fill beschreibt die Zeit von der Freigabe eines Personalbedarfs bis zur tatsächlichen Besetzung – also bis ein Zeitarbeitnehmer den Einsatz antritt bzw. der Vertrag unterschrieben ist. Für klassische Festanstellungen ist dieser Wert in Deutschland aktuell hoch: Branchenauswertungen und Recruiting-Benchmarks für 2026 gehen von einer durchschnittlichen Vakanzzeit offener Stellen von rund 170 Tagen aus, während gängige DACH-Benchmarks für einen strukturierten Recruiting-Prozess (Time-to-Fill) bei etwa 45 bis 60 Tagen liegen. Für kurzfristigen Personalbedarf in Pflege, Logistik oder Industrie ist das schlicht zu langsam.

Warum Zeitarbeit eine andere Time-to-Fill-Logik braucht

Zeitarbeit existiert genau deshalb, weil klassische Recruiting-Zeiträume für kurzfristige Personalausfälle nicht funktionieren. Hier zählt nicht die Zeit bis zur Unterschrift eines neuen Arbeitsvertrags, sondern die Zeit von der Anfrage eines Einsatzbetriebs bis zum Einsatzbeginn eines passenden Zeitarbeitnehmers – im Idealfall Stunden statt Wochen. Wie automatisiertes Matching dabei hilft, passende Kandidaten sofort zu identifizieren, beschreiben wir im Beitrag Matching in der Zeitarbeit.

Der größte Zeitfresser: Sequenzielle Anfragen an einzelne Personaldienstleister

In der Praxis verlängert sich die Time-to-Fill oft nicht durch den eigentlichen Matching-Prozess, sondern durch die Art der Anfrage: Wird ein Personaldienstleister nach dem anderen einzeln per Telefon oder E-Mail angefragt, addieren sich Wartezeiten auf Rückmeldungen. Jede Absage bedeutet einen weiteren Anlauf – und damit verlorene Zeit, gerade wenn eine Schicht kurzfristig besetzt werden muss.

Wie ein Vendor-Management-System die Besetzungsdauer verkürzt

Mit einem Vendor-Management-System wie stazzle wird eine Anfrage einmal gestellt und automatisch an alle passenden, angebundenen Personaldienstleister gleichzeitig verteilt. Statt auf eine einzelne Rückmeldung zu warten, laufen die Antworten parallel ein – die Einrichtung wählt aus den verfügbaren Kandidaten. Das verkürzt die Time-to-Fill nicht durch schnelleres Einzelmatching, sondern durch parallele statt sequenzielle Anfragen. Einen Überblick über die Steuerungsmodelle dahinter gibt der Beitrag Vendor Management System (VMS): Was es ist.

Time-to-Fill messen: Woran Einsatzbetriebe ansetzen sollten

Wer die eigene Time-to-Fill in der Zeitarbeit verbessern will, sollte zunächst schlicht messen: Wie viel Zeit vergeht aktuell zwischen Bedarfsmeldung und Einsatzbeginn – und wie viel davon entfällt auf das Warten auf Rückmeldungen einzelner Dienstleister? Oft zeigt schon diese einfache Analyse, wo der größte Hebel liegt.

Das Wichtigste in Kürze: Time-to-Fill misst die Zeit von der Freigabe eines Personalbedarfs bis zum Einsatzbeginn. Für Festanstellungen liegt die Vakanzdauer in Deutschland bei rund 152 Tagen im Marktdurchschnitt, im Gesundheits- und Sozialwesen bei etwa 172 Tagen und in der Altenpflege bei rund 205 Tagen. In der Zeitarbeit zählt eine andere Größenordnung: Hier entscheiden Stunden – und der größte Hebel ist nicht besseres Matching, sondern die parallele Anfrage an mehrere Personaldienstleister statt der sequenziellen.

Benchmarks 2026: Wie lange Besetzungen wirklich dauern

Die Zahlen zeigen, warum kurzfristiger Bedarf über Festanstellung nicht zu decken ist:

BereichDurchschnittliche DauerEinordnung
Gesamtmarkt Deutschland, alle Branchenrund 152 TageVakanzdauer offener Stellen, Stand Ende 2025
Gesundheitswesen und Sozialesrund 172 Tageentspricht etwa 24,5 Wochen
Altenpflege als Engpassberufrund 205 Tageetwa 29 Wochen bis zur Besetzung
Strukturierter Recruiting-Prozess im DACH-Raum45 bis 60 Tagegut organisierte Festanstellung, ohne Engpassfaktor
Besetzung über ZeitarbeitStunden bis wenige Tageabhängig von Qualifikation, Region und Zahl der angebundenen Dienstleister

Für Zeitarbeit selbst gibt es kaum belastbare öffentliche Benchmarks – die Werte schwanken stark nach Region, Qualifikation und Träger. Genau deshalb lohnt die eigene Messung mehr als jeder Branchenvergleich.

Die vier Zeitblöcke einer Besetzung

Wer die Besetzungsdauer senken will, muss wissen, wo die Zeit verloren geht. In der Praxis zerfällt der Prozess in vier Blöcke – und der größte liegt selten dort, wo man ihn vermutet:

ZeitblockTypische DauerGrößter Hebel
Bedarf erkannt bis Bedarf freigegebenMinuten bis mehrere TageKlare Freigabewege und Vertretungsregeln, digitale Bedarfsanforderung
Freigabe bis Anfrage beim DienstleisterMinuten bis StundenAutomatische Ausschreibung statt manueller Weiterleitung
Anfrage bis AngebotStunden bis TageParallele Anfrage an alle freigegebenen Dienstleister statt Einzelanrufe
Angebot bis EinsatzbeginnStunden bis TageVollständige Nachweise und Verträge in Textform, digital freigegeben

Rechenbeispiel: sequenziell gegen parallel

Ein Beispiel mit realistischen Annahmen: Sechs Personaldienstleister, eine durchschnittliche Rückmeldezeit von drei Stunden, eine Trefferquote von 40 Prozent pro Anfrage.

  • Sequenziell: Anfrage eins nach dem anderen. Bis eine Zusage kommt, sind statistisch zweieinhalb Anläufe nötig – rund acht Stunden reine Wartezeit, plus Bearbeitungszeit bei jedem Anlauf.
  • Parallel: Eine Anfrage an alle sechs gleichzeitig. Die erste Rückmeldung kommt nach etwa drei Stunden, es entsteht zusätzlich eine Auswahl zwischen mehreren Angeboten.

Der Effekt ist doppelt: Die Besetzung ist schneller, und zusätzlich entsteht Vergleichbarkeit bei Preis und Qualifikation. Wie dieser Ablauf digital aussieht, zeigt die Prozessübersicht von der Anfrage bis zum Einsatz.

Time-to-Fill richtig messen: Definition und Kennzahlen

Die Kennzahl ist nur so gut wie ihre Definition. Sinnvoll ist: Time-to-Fill gleich Zeitpunkt des Einsatzbeginns minus Zeitpunkt der Bedarfsfreigabe, gemessen in Stunden, getrennt nach Standort und Qualifikation. Wer die Bedarfsmeldung als Startpunkt nimmt, misst zusätzlich die eigene Freigabegeschwindigkeit – das ist oft aufschlussreicher.

KennzahlWas sie zeigtZielrichtung
Time-to-Fill in StundenGesamtgeschwindigkeit von Freigabe bis Einsatzbeginnso niedrig wie möglich, getrennt je Qualifikation
Time-to-First-ResponseWie schnell Dienstleister überhaupt antwortenunter zwei Stunden bei kurzfristigen Bedarfen
Fill RateAnteil der Bedarfe, die tatsächlich besetzt werdenüber 90 Prozent
Anteil unbesetzter SchichtenVersorgungsrisiko im Alltagsinkend, im Zeitverlauf beobachtet
Anfragen pro BesetzungWie viele Anläufe nötig sindunter 1,5 bei paralleler Ausschreibung

Fünf Hebel, die sofort wirken

  • Bedarfe standardisiert erfassen: Qualifikation, Zeitraum, Einsatzort, Kostenstelle als Pflichtfelder – Nachfragen kosten mehr Zeit als das Formular.
  • Freigabe entkoppeln: Eine Vertretungsregel verhindert, dass ein Urlaub den Prozess blockiert.
  • Parallel ausschreiben statt telefonieren – der größte Einzelhebel.
  • Nachweise vorhalten statt nachfordern: Qualifikationen und Dokumente zentral mit Fristenwarnung, siehe Anforderungen an ein Vendor Management System.
  • Verträge digital abschließen: Der Überlassungsvertrag ist seit 2025 in Textform möglich – Details im Beitrag zum AÜ-Vertrag in Textform.

Bleibt die Besetzungsdauer trotzdem hoch, liegt die Ursache meist in der Struktur: zu wenige angebundene Dienstleister, unklare Konditionen oder fehlende Alternativen für Ausfälle. Ein eigener Ausfallpool ergänzt die externe Beschaffung wirksam – siehe die Anleitung zum Aufbau eines Springerpools.

Fazit

Eine niedrige Time-to-Fill ist in der Zeitarbeit kein Luxus, sondern die eigentliche Daseinsberechtigung des Modells. Wer Anfragen parallel statt sequenziell an mehrere Personaldienstleister stellt, verkürzt die Besetzungsdauer spürbar – unabhängig davon, wie gut das Matching im Einzelfall ist.

Quellen: Branchen-Recruiting-Benchmarks Deutschland/DACH 2026, HR-Kennzahlen-Auswertungen (Time-to-Hire/Time-to-Fill), Stand 2026.

Häufige Fragen zur Time-to-Fill in der Zeitarbeit

Was bedeutet Time-to-Fill?

Time-to-Fill ist die Zeit von der Freigabe eines Personalbedarfs bis zur tatsächlichen Besetzung, also bis zum Einsatzbeginn oder zur Vertragsunterschrift. In der Zeitarbeit wird sie sinnvoll in Stunden gemessen, nicht in Tagen.

Wie lange dauert eine Stellenbesetzung in Deutschland?

Im Marktdurchschnitt liegt die Vakanzdauer bei rund 152 Tagen. Im Gesundheits- und Sozialwesen sind es etwa 172 Tage, in der Altenpflege als Engpassberuf rund 205 Tage.

Wie schnell kann Zeitarbeit besetzen?

Bei verfügbaren Kandidaten und mehreren angebundenen Personaldienstleistern sind Stunden bis wenige Tage realistisch. Entscheidend ist, dass die Anfrage parallel an alle freigegebenen Dienstleister geht.

Was ist der Unterschied zwischen Time-to-Fill und Time-to-Hire?

Time-to-Fill beginnt mit der Freigabe des Bedarfs, Time-to-Hire mit dem Eingang der Bewerbung. Time-to-Fill enthält damit auch die internen Freigabezeiten und ist für Einsatzbetriebe die aussagekräftigere Kennzahl.

Wie senkt ein Vendor Management System die Besetzungsdauer?

Vor allem durch parallele statt sequenzielle Anfragen: Eine Bedarfsmeldung geht gleichzeitig an alle freigegebenen Dienstleister. Dazu kommen digitale Freigaben, hinterlegte Nachweise und Verträge in Textform.

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Häufige Fragen zu stazzle Zeitarbeit-Software für Pflege, Logistik & Industrie

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Der Master Vendor (MV) ist ein Personaldienstleister (PDL), der als Hauptlieferant fungiert und den Personalbedarf eines Einsatzbetriebes koordiniert und steuert. Er übernimmt die komplette Abwicklung der Zeitarbeit, von der Rekrutierung und Auswahl der Mitarbeiter bis hin zur Einsatzplanung, Administration und Abrechnung.

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