Scheinselbstständigkeit vermeiden: Die größten Risiken beim Einsatz externer Dienstleister

28. Juli 2026
Illustration: externer Dienstleister mit Aktenkoffer neben einer Lupe, die ein Dokument mit Häkchen und Warnsymbol prüft, dazu Paragrafzeichen und Schutzschild – Symbolbild für die Prüfung von Scheinselbstständigkeit.

Freelancer, Berater, Interim Manager und externe Spezialisten gehören für viele Unternehmen zum Alltag. Sie bringen Know-how ins Haus, beschleunigen Projekte und schließen kurzfristig Lücken. Mit jedem Einsatz wächst aber auch die Verantwortung, die Zusammenarbeit richtig einzuordnen. Und genau dort liegt ein Risiko, das sich selten sofort zeigt: Scheinselbstständigkeit entsteht in den meisten Fällen nicht bei Vertragsabschluss, sondern schleichend im Projektverlauf.

Die Unsicherheit ist verständlich. Der Begriff selbst ist kein Rechtsbegriff, sondern eine Beschreibung für einen Zustand: Formal liegt ein Auftragsverhältnis vor, tatsächlich arbeitet die Person wie ein Beschäftigter. Wer das erst bei einer Betriebsprüfung erfährt, verhandelt nicht mehr über Prozesse, sondern über Beitragsnachforderungen.

Kurz gesagt: Ob jemand selbstständig oder beschäftigt ist, entscheidet nach § 7 Abs. 1 SGB IV allein die tatsächliche Durchführung – Anhaltspunkte sind eine Tätigkeit nach Weisungen und die Eingliederung in die Arbeitsorganisation des Weisungsgebers. Weder Gewerbeschein noch Vertragsüberschrift noch der Wunsch beider Seiten ändern daran etwas. Bewertet wird immer das Gesamtbild.

Was Scheinselbstständigkeit rechtlich bedeutet

Zunächst der Maßstab: Sozialversicherungsrechtlich gilt § 7 Abs. 1 SGB IV. Beschäftigung ist die nichtselbständige Arbeit, insbesondere in einem Arbeitsverhältnis. Als Anhaltspunkte nennt das Gesetz eine Tätigkeit nach Weisungen und die Eingliederung in die Arbeitsorganisation des Weisungsgebers. Parallel dazu beschreibt § 611a BGB den Arbeitsvertrag als Leistung weisungsgebundener, fremdbestimmter Arbeit in persönlicher Abhängigkeit, wobei das Weisungsrecht Inhalt, Durchführung, Zeit und Ort betreffen kann.

Entscheidend ist dabei die Formulierung „Anhaltspunkte”, denn das Gesetz liefert bewusst keinen abschließenden Katalog. Die Rechtsprechung des Bundessozialgerichts arbeitet deshalb mit einer Gesamtwürdigung aller Umstände: Kein einzelnes Merkmal entscheidet, sondern das Überwiegen der Indizien. Ein Freelancer, der einmal an einem Teammeeting teilnimmt, ist deshalb nicht automatisch scheinselbstständig. Ein Freelancer, der seit zwei Jahren jeden Morgen um acht am gleichen Schreibtisch sitzt und seine Aufgaben vom Abteilungsleiter erhält, ist es womöglich sehr wohl.

Wichtig ist außerdem die Abgrenzung nach oben: Wer als Unternehmen fremdes Personal für eigene Weisungen einsetzt, landet nicht bei der Scheinselbstständigkeit, sondern bei der Arbeitnehmerüberlassung. Welche Variante wann greift, zeigt unsere Checkliste zur Abgrenzung von Dienstvertrag und Arbeitnehmerüberlassung.

Die Kriterien, auf die es tatsächlich ankommt

Die folgende Gegenüberstellung fasst die Indizien zusammen, mit denen in der Praxis gearbeitet wird. Sie dient allerdings als Orientierung und nicht als Rechenformel: Es zählt, welche Seite in der Gesamtschau überwiegt.

KriteriumSpricht für SelbstständigkeitSpricht für Beschäftigung
Zeit, Ort, Art der Tätigkeitwird im Wesentlichen selbst bestimmtwird vorgegeben, feste Präsenzzeiten
Weisungennur ergebnisbezogene Abstimmunglaufende fachliche Anweisungen aus der Linie
Eingliederungarbeitet neben der Organisationarbeitet in der Organisation, wie Stammpersonal
Auftraggeberstrukturmehrere Kunden, eigener Marktauftrittdauerhaft im Wesentlichen nur ein Auftraggeber
Unternehmerrisikoeigene Investitionen, Haftung, Auslastungsrisikofeste Vergütung ohne eigenes Risiko
Betriebsmitteleigene Arbeitsmittel und Infrastrukturausschließlich Mittel des Auftraggebers
Vertretung und Personalkann Aufträge delegieren oder Personal einsetzenmuss persönlich leisten
VergütungHonorar kalkuliert Eigenvorsorge einVergütung auf Arbeitnehmerniveau

Ein Hinweis zur dauerhaften Ein-Kunden-Bindung: Wer auf Dauer und im Wesentlichen nur für einen Auftraggeber tätig ist, kann als arbeitnehmerähnlicher Selbstständiger nach § 2 Satz 1 Nummer 9 SGB VI rentenversicherungspflichtig sein – und zwar auch dann, wenn er echt selbstständig ist. Das ist ein eigener Tatbestand und nicht mit Scheinselbstständigkeit zu verwechseln, wird in der Praxis aber häufig vermischt.

Fünf Warnsignale im Projektalltag

Zunächst eine Einordnung: Keines dieser Signale führt allein zu einer Umqualifizierung. Treffen mehrere gleichzeitig zu, sollte der Einsatz aber überprüft werden.

1. Feste Arbeitszeiten und Anwesenheitspflicht

Die externe Person arbeitet täglich von acht bis siebzehn Uhr, trägt sich in dieselbe Zeiterfassung ein wie interne Beschäftigte und muss Abwesenheiten abstimmen. Folglich ist die freie Zeiteinteilung faktisch aufgehoben – ein starkes Indiz für Weisungsgebundenheit.

2. Weisungen direkt aus der Linie

Die tägliche Aufgabenverteilung übernimmt die Führungskraft des Auftraggebers, nicht der Dienstleister selbst. Zudem ersetzen fachliche Einzelanweisungen die ergebnisbezogene Abstimmung. Sobald die Aufgaben aus derselben Quelle kommen wie für das Stammpersonal, verschwimmt die Grenze.

3. Eingliederung in die Organisation

Die Person steht im Organigramm, nimmt an allen Regelmeetings teil, vertritt interne Mitarbeitende im Urlaub und übernimmt Linienaufgaben statt eines abgrenzbaren Projektauftrags. Wer nach außen und innen wie ein Teammitglied auftritt, wird im Zweifel auch so bewertet.

4. Ausschließlich fremde Betriebsmittel

Firmenlaptop, Firmenhandy, Unternehmens-E-Mail-Adresse, fester Arbeitsplatz, interne Systemzugänge. Häufig ist das aus Sicherheits- und Compliance-Gründen allerdings unvermeidbar. Deshalb ist dieses Signal für sich genommen schwach – es wirkt aber verstärkend, wenn weitere Indizien hinzukommen.

5. Kein unternehmerisches Risiko

Die Person trägt kein Auslastungs-, Investitions- oder Haftungsrisiko, entscheidet nicht über ihre Arbeitsweise und kann die Leistung nicht delegieren. Fehlt jedes Unternehmerrisiko, dann fehlt damit auch ein zentrales Merkmal echter Selbstständigkeit.

Vier Praxisbeispiele

IT-Beratung: unkritisch

Ein externer SAP-Berater begleitet eine Systemeinführung. Er plant und moderiert Workshops eigenständig, entwickelt Lösungsvorschläge, arbeitet zeitlich flexibel und betreut parallel zwei weitere Kunden. Der Auftraggeber bewertet zwar Ergebnisse und stimmt Meilensteine ab, greift jedoch nicht in die Arbeitsorganisation ein. Diese Konstellation trägt.

Projektmanagement: kritisch

Ein Freelancer übernimmt formal das Projektmanagement. Tatsächlich erhält er täglich Aufgaben vom Abteilungsleiter, arbeitet nach den Arbeitszeiten des Unternehmens, vertritt Kolleginnen im Urlaub und hat seit achtzehn Monaten keinen anderen Auftraggeber. Damit sprechen mehrere starke Indizien für Beschäftigung – der Einsatz gehört auf den Prüfstand.

Marketing-Agentur: unkritisch

Eine Agentur entwickelt eine Arbeitgeberkampagne. Sie setzt eigenes Personal ein, arbeitet in eigenen Räumen mit eigenen Werkzeugen und liefert abgestimmte Meilensteine. Weil eine juristische Person leistet und nicht eine einzelne Person persönlich, stellt sich die Statusfrage hier regelmäßig nicht.

Industrie: kritisch

Ein externer Konstrukteur arbeitet seit drei Jahren im Entwicklungsteam, erscheint im Schichtplan, berichtet direkt an den Teamleiter und übernimmt dieselben Aufgaben wie interne Ingenieure. Formal ist er zwar Einzelunternehmer mit Gewerbeschein. Faktisch ist er jedoch integriert – eine der klassischen Risikokonstellationen.

Drei verbreitete Irrtümer

„Ein Gewerbeschein reicht aus.” Nein. Die Gewerbeanmeldung ist eine ordnungsrechtliche Formalie und sagt nichts über den sozialversicherungsrechtlichen Status aus. Ebenso wenig genügen eine Umsatzsteuer-Identifikationsnummer oder eine eigene Website.

„Im Vertrag steht doch selbstständig.” Auch das trägt nicht. Bewertet wird die tatsächliche Durchführung. Weicht die gelebte Praxis vom Vertrag ab, ist die Praxis maßgeblich – nicht der Text. Musterverträge helfen folglich nur dann, wenn sie im Alltag auch eingehalten werden.

„Der Freelancer wollte das selbst so.” Der Status ist nicht verhandelbar. Sozialversicherungspflicht entsteht kraft Gesetzes und nicht durch Vereinbarung. Selbst ein ausdrücklicher Verzicht des Auftragnehmers ändert nichts an der Beitragspflicht des Auftraggebers.

Was bei einer Feststellung tatsächlich passiert

Die Rentenversicherungsträger prüfen Arbeitgeber nach § 28p SGB IV regelmäßig, in der Regel im Vierjahresrhythmus. Wird dabei eine Beschäftigung festgestellt, gilt der Auftraggeber rückwirkend als Arbeitgeber. Die Folgen sind dabei konkret bezifferbar:

  • Beitragsnachforderung: Der Auftraggeber schuldet den gesamten Sozialversicherungsbeitrag, also Arbeitgeber- und Arbeitnehmeranteil.
  • Kaum Rückgriff auf den Auftragnehmer: Nach § 28g SGB IV kann der Arbeitnehmeranteil nur durch Abzug vom Arbeitsentgelt geltend gemacht werden, und ein unterbliebener Abzug darf nur bei den drei nächsten Lohn- oder Gehaltszahlungen nachgeholt werden. Praktisch bleibt die Nachforderung damit beim Unternehmen.
  • Verjährung: Beitragsansprüche verjähren nach § 25 Abs. 1 SGB IV in vier Jahren nach Ablauf des Kalenderjahres der Fälligkeit – bei vorsätzlich vorenthaltenen Beiträgen erst nach dreißig Jahren.
  • Säumniszuschläge: Nach § 24 Abs. 1 SGB IV fällt für jeden angefangenen Monat der Säumnis ein Zuschlag von einem Prozent des rückständigen, auf 50 Euro abgerundeten Betrages an. Eine Obergrenze sieht die Vorschrift nicht vor.
  • Strafrechtliches Risiko: Das Vorenthalten von Arbeitnehmerbeiträgen ist nach § 266a StGB mit Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren oder Geldstrafe bedroht, in besonders schweren Fällen mit sechs Monaten bis zu zehn Jahren.
  • Arbeits- und steuerrechtliche Folgen: Hinzu kommen Ansprüche aus einem faktischen Arbeitsverhältnis, etwa auf Urlaub und Kündigungsschutz, sowie die Lohnsteuerhaftung.

Wird zusätzlich fremdes Personal über einen Dritten eingesetzt, kann parallel eine unerlaubte Arbeitnehmerüberlassung im Raum stehen – mit der Fiktion eines Arbeitsverhältnisses zum Einsatzbetrieb nach § 10 Absatz 1 AÜG. Bei längeren Einsätzen lohnt daher auch ein Blick auf die Höchstüberlassungsdauer.

Das Statusfeststellungsverfahren nach § 7a SGB IV

Wer Zweifel hat, muss nicht auf die Betriebsprüfung warten. Bei der Clearingstelle der Deutschen Rentenversicherung Bund lässt sich der Erwerbsstatus nach § 7a SGB IV klären. Seit der Reform zum 1. April 2022 entscheidet die Clearingstelle nur noch darüber, ob eine abhängige Beschäftigung oder eine selbstständige Tätigkeit vorliegt, nicht mehr über die Versicherungspflicht in den einzelnen Zweigen.

Vier Neuerungen sind für die Praxis besonders relevant: die Prognoseentscheidung erlaubt eine Beurteilung schon vor Aufnahme der Tätigkeit, die Gruppenfeststellung ermöglicht die gemeinsame Prüfung gleichartiger Auftragsverhältnisse, bei Dreieckskonstellationen kann auch der beteiligte Dritte einbezogen werden, und im Widerspruchsverfahren ist eine mündliche Anhörung möglich.

Besonders wertvoll ist eine Frist: Wird der Antrag innerhalb eines Monats nach Aufnahme der Tätigkeit gestellt und stellt die Rentenversicherung eine Beschäftigung fest, tritt die Versicherungspflicht nach § 7a Abs. 5 SGB IV erst mit Bekanntgabe der Entscheidung ein – vorausgesetzt, die betroffene Person stimmt zu und war im Zwischenzeitraum vergleichbar gegen Krankheit und für das Alter abgesichert. Bei späterer Antragstellung wirkt die Feststellung dagegen auf den Tätigkeitsbeginn zurück. Diese vier Wochen sind damit der günstigste Zeitpunkt im ganzen Prozess.

So senken Unternehmen das Risiko im Alltag

Die wirksamsten Maßnahmen sind organisatorisch, nicht juristisch. Insbesondere vier Punkte tragen erfahrungsgemäß am meisten:

  • Leistung statt Stelle beschreiben: Formulieren Sie ein abgrenzbares Ergebnis mit Zielen, Meilensteinen und Abschlusskriterien – keine Aufgabenliste, die genauso in einer Stellenbeschreibung stehen könnte.
  • Weisungswege sauber trennen: Definieren Sie einen Ansprechpartner für die inhaltliche Abstimmung und stellen Sie sicher, dass fachliche Einzelanweisungen nicht aus der Linie kommen. Das ist eine Frage der Führungskultur, nicht des Vertrags.
  • Änderungen dokumentieren: Erweiterungen des Auftrags gehören schriftlich festgehalten, mit Datum und Freigabe. Genau diese Lücke wird bei Prüfungen aufgemacht.
  • Regelmäßig nachprüfen: Setzen Sie für längere Einsätze einen festen Prüftermin, etwa halbjährlich. Passt die Zusammenarbeit noch zum Vertrag? Haben sich Verantwortlichkeiten oder Aufgaben verschoben?

Darüber hinaus hilft es, Vertragsarten bewusst zu wählen statt aus Gewohnheit. Die Unterschiede zwischen den drei Modellen erklären wir im Detail im Beitrag Dienstvertrag vs. Werkvertrag und im Überblick zum Dienstvertrag im Fremdpersonaleinsatz.

Checkliste für den laufenden Einsatz

PrüffrageBewertung
Erhält die Person tägliche fachliche Anweisungen aus der Linie?Warnsignal
Ist die Leistung als abgrenzbares Ergebnis beschrieben?gutes Zeichen
Organisiert die Person ihre Arbeit und Arbeitszeit selbst?spricht für Selbstständigkeit
Ist sie in Dienst-, Schicht- oder Urlaubsplanung eingebunden?Warnsignal
Vertritt sie interne Mitarbeitende oder füllt sie dauerhaft eine Stelle?hohes Risiko
Gibt es beim Dienstleister einen eigenen Projektverantwortlichen?gutes Zeichen
Arbeitet die Person auch für andere Auftraggeber?starkes Plus
Trägt sie ein eigenes Unternehmerrisiko?zentrales Kriterium
Werden Auftragsänderungen dokumentiert und freigegeben?unverzichtbar
Wird der Einsatz in festen Abständen erneut bewertet?dringend empfohlen

Mehrere Warnsignale in der rechten Spalte sind kein Urteil, sondern ein Anlass. Vielmehr zeigen sie, wo die Zusammenarbeit vom vertraglichen Bild abweicht – und wo ein Statusfeststellungsverfahren sinnvoll sein kann.

Was ein Vendor Management System leisten kann – und was nicht

Mit der Zahl externer Dienstleister wächst die Unübersichtlichkeit. In vielen Unternehmen liegen Verträge, Nachweise und Freigaben verteilt über Excel-Listen, Postfächer, Netzlaufwerke und Papierakten. Wer bei einer Prüfung nicht binnen Stunden belegen kann, wer wann mit welchem Auftrag im Haus war, hat ein Dokumentationsproblem – unabhängig davon, ob die Einsätze rechtlich sauber waren.

Ein Vendor Management System schafft dafür zunächst eine zentrale Basis: Dienstleister, Vertragsarten, Laufzeiten, Dokumente, Qualifikationsnachweise, Freigaben, Ansprechpartner und Einsatzhistorien an einer Stelle, nachvollziehbar und auswertbar. Welche Effekte Unternehmen dabei berichten, haben wir in unserem Beitrag zu Erfahrungen mit Vendor Management zusammengefasst.

Klar bleiben muss allerdings die Grenze: Software beurteilt keinen Erwerbsstatus. Die Frage, ob eine Person selbstständig oder beschäftigt ist, ist eine rechtliche Bewertung der tatsächlichen Verhältnisse – im Zweifel mit anwaltlicher Beratung oder über ein Verfahren nach § 7a SGB IV. Was ein System liefert, ist Struktur und Nachweisbarkeit, nicht Rechtssicherheit.

stazzle ist dabei bewusst spezialisiert: Die Plattform steuert den Fremdpersonaleinsatz über Arbeitnehmerüberlassung – Einsatzbetriebe veröffentlichen Anfragen, ausgewählte Personaldienstleister besetzen sie, der Überlassungsvertrag wird automatisch erzeugt und digital unterschrieben. Für Freelancer-Verträge und deren Statusbeurteilung ist stazzle hingegen ausdrücklich nicht gedacht. Wie sich Lieferantensteuerung darüber hinaus digital organisieren lässt, zeigt der Beitrag zur Optimierung der Vendor-Management-Prozesse.

Fazit

Scheinselbstständigkeit ist selten das Ergebnis eines einzelnen Fehlers. Sie entsteht, wenn Projekte wachsen, Aufgaben sich verschieben und externe Spezialisten Schritt für Schritt tiefer in die Organisation des Auftraggebers hineinrutschen. Der Vertrag bleibt dabei derselbe, während sich die Realität verändert.

Wirksamer Schutz besteht deshalb vor allem aus drei Bausteinen: einer Leistungsbeschreibung, die ein Ergebnis und keine Stelle beschreibt, klar getrennten Weisungswegen im Alltag und einer Dokumentation, die im Prüfungsfall Bestand hat. Wer zusätzlich bei Zweifeln früh das Statusfeststellungsverfahren nutzt – idealerweise innerhalb des ersten Monats – verwandelt ein unkalkulierbares Risiko in eine planbare Entscheidung.

Häufige Fragen zur Scheinselbstständigkeit

Was bedeutet Scheinselbstständigkeit?

Eine Person tritt formal als selbstständig auf, erfüllt tatsächlich aber die Merkmale einer Beschäftigung nach § 7 Abs. 1 SGB IV: Weisungsgebundenheit und Eingliederung in die Arbeitsorganisation.

Reicht ein Gewerbeschein als Nachweis der Selbstständigkeit?

Nein. Die Gewerbeanmeldung ist eine Formalie. Maßgeblich ist ausschließlich die tatsächliche Durchführung.

Wer zahlt bei einer Feststellung die Beiträge nach?

Der Auftraggeber schuldet den gesamten Sozialversicherungsbeitrag. Ein Rückgriff auf den Auftragnehmer ist nach § 28g SGB IV nur über die drei nächsten Lohnzahlungen möglich, praktisch also kaum.

Wie weit reicht die Nachforderung zurück?

Beitragsansprüche verjähren nach § 25 Abs. 1 SGB IV in vier Jahren nach Ablauf des Kalenderjahres der Fälligkeit, bei vorsätzlich vorenthaltenen Beiträgen erst nach dreißig Jahren.

Ist Homeoffice ein Zeichen für Selbstständigkeit?

Nein. Der Arbeitsort allein entscheidet nichts. Bewertet wird das Gesamtbild aus Weisungen, Eingliederung, Unternehmerrisiko und Auftraggeberstruktur.

Wie funktioniert das Statusfeststellungsverfahren?

Die Clearingstelle der Deutschen Rentenversicherung Bund klärt den Erwerbsstatus nach § 7a SGB IV. Seit April 2022 sind auch Prognoseentscheidungen vor Tätigkeitsbeginn und Gruppenfeststellungen möglich.

Warum ist der erste Monat so wichtig?

Bei Antrag innerhalb eines Monats nach Tätigkeitsaufnahme beginnt die Versicherungspflicht nach § 7a Abs. 5 SGB IV erst mit Bekanntgabe der Entscheidung. Später wirkt sie zurück.

Quellen und Rechtsgrundlagen: §§ 7, 7a, 24, 25, 28g und 28p SGB IV; § 2 Satz 1 Nr. 9 SGB VI; § 611a BGB; § 10 Abs. 1 AÜG; § 266a StGB (gesetze-im-internet.de). Ergänzend: Informationen der Deutschen Rentenversicherung Bund zum Statusfeststellungsverfahren sowie IHK-Merkblätter zur Abgrenzung. Alle Angaben wurden gegen den Gesetzeswortlaut abgeglichen. Stand: Juli 2026. Dieser Beitrag gibt einen allgemeinen Überblick und ersetzt keine Rechtsberatung im Einzelfall; die Beurteilung eines konkreten Einsatzes hängt stets von der tatsächlichen Durchführung ab.

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